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Gesund leben

Hintergrundwissen Verhütungsmethoden

"Spirale danach" als Notfallverhütung

Es besteht die Möglichkeit, sich bis zum 5. Tag nach dem Geschlechtsverkehr vom Frauenarzt eine Spirale mit Kupferbeschichtung einlegen zu lassen. Bei manchen Präparaten ist das Kupfer mit Edelmetallen, z.B. Gold oder Silber, legiert.

Dadurch wird in über 99 % der Fälle verhindert, dass sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnistet. Diese Methode wird selten angewendet, u.a. weil Spiralen eher bei älteren Frauen, die schon Kinder geboren haben, eingesetzt werden.

Präparate: Kupferspirale z.B. Mulitload® und NovaT®, Kupferanteil mit einer Edelmetalllegierung z.B. Goldlily®, Medusa® und Goldring-Medusa®. Kosten: ca. 130 bis 250 €, werden bis zum 20. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen.

Geschichte der Empfängnisverhütung

Die Geschichte der Empfängnisverhütung ist lang und abenteuerlich: Schon immer wollten Menschen, dass ihre sexuellen Begegnungen ohne Folgen blieben. Im alten Ägypten etwa schmierten sich Frauen einen Granatapfelextrakt in die Scheide, um nicht schwanger zu werden. Moderne Analysen zeigen: Die Körner des Granatapfels enthalten Östrogene. Im Mittelalter empfahl man der Frau nach dem Geschlechtsverkehr siebenmal zu niesen und sich mit angezogenen Knien hinzusetzen. Männer sollten den Penis mit Bleiweiß und Zedernöl einreiben. Casanova benutzte Kondome aus Schafsdarm und Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts komplizierte Apparate zur Scheidenspülung. Anfang der 1960er Jahre kam die „Pille" auf den Markt, das bis heute weltweit am häufigsten benutzte Verhütungsmittel.

Informationen zur Beliebtheit und Zuverlässigkeit moderner Verhütungsmethoden finden Sie im Artikel Pearl-Index.

Weiterführende Informationen

  • www.familienplanung.de – Internetseite der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln): Mit Informationen und hilfreichen Tipps einschließlich persönlicher Beratungsmöglichkeit zu Verhütung, Schwangerschaft, unerfülltem Kinderwunsch und der generellen Kinderfrage.
  • www.sexualaufklaerung.de – Ebenfalls von der BZgA betriebene Internetseite, die zahlreiche kostenlose Downloads zum Thema bietet.
  • www.zyklus-wissen.de – Dr. med. Raith-Paula, Puchheim. Zeigt auf Basis medizinischer Studienergebnisse die natürliche Bandbreite von "normalen" Zyklen auf.
  • P. Frank et al.: Natürlich und sicher. Trias, 2005. Ausführliche Darstellung der natürlichen Verhütungsmethoden und Schwangerschaftsplanung einschließlich der dazugehörigen Zykluscomputer. Mit Übungsbeispielen und umfassendem Quellenverzeichnis. Ein hilfreiches Nachschlagewerk.
  • B. Sesterhenn: Natürlich verhüten? Aber sicher! Gräfe & Unzer, 2002. Knappe und verständliche Darstellung der natürlichen Verhütungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen. Mit zahlreichen Abbildungen und einem Vergleichstest der Verhütungscomputer. Gute Entscheidungshilfe für alle, die nach Alternativen zur „Pille" und Spirale suchen.
  • G. Staupe; L. Vieth (Hrsg.): Die Pille. Von der Lust und von der Liebe. Ausstellungskatalog des Deutschen Hygiene-Museums Dresden. Rowohlt, 1996. Weniger medizinischer Ratgeber als kultur-geschichtlicher Sammelband zur Verhütung und dem Aufstieg der „Pille". Mit vielen Bildern ein interessanter und unterhaltsamer Rückblick in die 1960er Jahre und die Verhütungsmittel des 19. und 20. Jahrhunderts.

Pearl-Index

Der Pearl-Index gibt an, wie sicher eine Verhütungsmethode ist. Er bezieht sich auf jeweils 100 Frauen, die eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden. Ein Index von 1 bedeutet, dass pro Jahr von diesen Frauen eine trotz Verhütung schwanger wird („Versagerquote" von 1 %). Die Angaben umfassen sowohl Methoden- als auch Gebrauchssicherheit: Die Gebrauchssicherheit berücksichtigt alle unbeabsichtigten Schwangerschaften und spiegelt so die Alltagssicherheit wider, die Methodensicherheit berücksichtigt nur die Schwangerschaften, die bei korrekter Anwendung des Verhütungsmittels eingetreten sind. Zum Beispiel liegt der Pearl-Index für das Kondom zwischen 2 und 12 %. Das heißt, mindestens zwei von 100 Frauen werden innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger, wenn sie sich beim Geschlechtsverkehr auf das Kondom verlassen. Zerreißt ein langer Fingernagel das Kondom oder rutscht es zu früh ab, passieren bis zu 12 ungewollte Schwangerschaften unter 100 Frauen.

Beliebtheit und Zuverlässigkeit häufig eingesetzter Verhütungsmethoden:

Verhütungsmethode

Anwendung

Pearl-Index

Keine Verhütung

 

85 %

Knaus-Ogino-Methode (Kalendermethode)

12 %

~ 20 %

Basaltemperaturmethode

 

~ 2 %

Zervixschleimmethode (Billings-Methode)

 

15 %

Symptothermale Methode

 

0,3 %

Verhütungscomputer

 

~ 5 %

Coitus Interruptus

 

~ 15 %

Kondom oder Femidom

28 %

2–12 %

Spermizid + Diaphragma oder Portiokappe

nicht bekannt

2,5–3 %

Lea contraceptivum (ohne Spermizid)

2,5 %

Kupferspirale (ohne Hormonbeschichtung)

6 %

~ 1 %

„Pille" (alle außer Minipille)

38 %

0,5 %

Minipille

< 0,1 %

1–2 %

Verhütungsring

0,8 %

0,9 %

Dreimonatsspritze

1 %

1 %

Hormonspirale

6 %

~ 0,2 %

Implanon®

0,9 %

< 0,1 %

Pille danach

1 %

2 %

Sterilisation der Frau

8 %

~ 0,3 %

Sterilisation des Mannes

2 %

< 0,2 %

Prozentsatz aller deutschen Paare, bei denen die Partnerin zwischen 14 und 44 Jahren alt ist. Die Summe aller Verhütungsmethoden übersteigt 100 % durch Mehrfachverhütung

Pille danach als Notfallverhütung

Verhütungspannen kommen vor: Wenn die Einnahme der „Pille" vergessen wurde, das Kondom abgerutscht ist, der Geschlechtsverkehr erzwungen wurde, der Zyklus schwankt oder man einfach unvernünftig war und gar nicht verhütet hat. Um dennoch kein Kind zu bekommen, gibt es die „Pille danach” als nachträgliche „Verhütungsmethode" (Postkoitale Kontrazeption). Sie ist ausschließlich für Notfälle gedacht. 

„Pille danach” (Morning after Pill, Postkoitale Kontrazeption, Interzeption): eine oder zwei Hormontabletten zur Verhinderung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die Tabletten enthalten das gestagenartige Hormon Levonorgestrel (PiDaNa®, Postinor®, Unofem®) oder den Progesteron-Rezeptor-Modulator Ulipristal (EllaOne®).

Von der „Pille danach” abzugrenzen ist die Abtreibungspille. 

Wirkstoffe und Wirkweise:

Levonorgestrel. Levonorgestrelhaltige Präparate müssen innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Je früher die Einnahme erfolgt, desto wirksamer ist sie:

  • Wird die 1. Dosis innerhalb von 24 Stunden eingenommen, kommt es bei 0,4 % zu einer Schwangerschaft.
  • Wird sie erst am 2. Tag eingenommen, beträgt die Schwangerschaftsrate schon 1,2 %.
  • Wird sie erst am 3. Tag eingenommen, werden 2,7 % schwanger.

Der Wirkmechanismus ist nicht genau bekannt. Levonorgestrel verhindert den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) und verzögert damit den Eisprung. Levonorgestrel ist wirkungslose, wenn die Einnahme am Tag des Eisprungs oder einen Tag nach dem Eisprung erfolgt ist.

Die Packungen enthalten eine Tablette mit 1,5 mg Levonorgestrel.

Präparate: PiDaNa® 1,5 (DE), Psotinor® (EU), NorLevo® (CH), Vikela® (AT). Für Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Wird Levonorgestrel zu spät genommen oder kommt es trotz Einnahme zu einer Schwangerschaft, schadet die Einnahme der Schwangerschaft nicht.

Die Wirkung von Levonorgestrel kann durch andere Arzneimittel reduziert werden. Hierzu zählen unter anderem Medikamente zur Behandlung von Epilepsie, Tuberkulose, HIV, Pilzinfektionen sowie pflanzliche Präparate, die Johanniskraut enthalten. Wurde ein die Wirkung von Levonorgestrel hemmendes Arzneimittel in den letzten 4 Wochen eingenommen, sollte die Levonorgestrel-Dosis von 1,5 auf 3 mg verdoppelt werden.

Ulipristal. Ulipristalhaltige Präparate müssen innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Sie verhindern den Eisprung, indem sie die Wirkung des Gelbkörperhormons Progesteron unterdrücken. Im Gegensatz zu Levonorgestrel wirken sie auch noch kurz vor dem Eisprung. Ulipristal ist aber ebenfalls wirkungslos, wenn die Einnahme am Tag des Eisprungs oder einen Tag nach dem Eisprung erfolgt. Noch unklar ist, welchen Einfluss Ulipristal auf eine bereits bestehende Schwangerschaft hat.

Präparate: ellaOne® (EU). Für Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Die Wirkung von Ulipristal kann durch andere Arzneimittel reduziert werden. Hierzu zählen unter anderem Medikamente zur Behandlung von Epilepsie, Tuberkulose, HIV, Pilzinfektionen sowie pflanzliche Präparate, die Johanniskraut enthalten. Der Wirkungsverlust ist stärker als bei Levonorgestrel.

Einnahme und Nebenwirkungen:

Einnahme. Es wird eine Tablette mit 30 mg Ulipristal als Einzeldosis eingenommen. Die Einnahme sollte nicht auf nüchternen Magen erfolgen, da sonst Übelkeit und Erbrechen drohen. Bei Erbrechen innerhalb von 3 Stunden nach der 1. Einnahme muss die Einnahme der „Pille danach” wiederholt werden.

Nach Einnahme der „Pille danach” besteht kein Verhütungsschutz, es muss anderweitig, z. B. mit Kondomen, verhütet werden. Die herkömmliche „Pille" sollte nach der „Pille danach” bis zur nächsten Monatsblutung abgesetzt werden.

Stillen. Stillende Mütter sollten levonorgestrelhaltige Präparate direkt nach dem Stillen einnehmen und dann 8 Stunden nicht stillen. Einige Fachleute empfehlen, zusätzlich bis zu 24 Stunden nach der Einnahme die Muttermilch zu verwerfen. Nach Einnahme ulipristalhaltiger Präparate sollte 36 Stunden lang nicht gestillt, die Muttermilch also abgepumpt und verworfen werden.

Nebenwirkungen. In 75 % der Fälle treten Übelkeit ohne Erbrechen auf, bei mehr als 10 % auch Kopfschmerzen, Unterbauchschmerzen oder Brustspannen. In der Mehrzahl der Fälle tritt die Monatsblutung nach Einnahme der „Pille danach” zum erwarteten Zeitpunkt und in normaler Stärke ein. Bei ~ 25 % der Anwenderinnen verschiebt sich die Menstruation nach vorne oder hinten, auch Zwischen- und Schmierblutungen treten auf.

Verschreibungspflicht. In Deutschland ist die „Pille danach” rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Österrreich: Levonorgestrelhaltigen Präparate sind verschreibungsfrei, ulipristalhaltige Präparate nicht.

Schweiz: NorLevo® ist rezeptfrei, darf aber nur nach einer ausführlichen Aufklärung durch den Apotheker abgegeben werden.